Category: Tanztheater

19
Nov

A Happy Ending?

Tanztheater von Petra Vetter

Wann sprechen wir in einer Beziehung von einem Happy End?
Ist es das, was Hollywood uns glauben machen möchte?
Was geschieht, wenn sich zwei Menschen mit ihren Hoffnungen und Ängsten begegnen?

Diesen Fragen geht die Choreographin Petra Vetter in A Happy Ending? nach.

Zwei Menschen treffen sich zufällig, scheinbar ohne nachhaltig voneinander berührt zu sein. Sie begegnen sich erneut und finden sich nun attraktiv. Das Spiel mit den Reizen beginnt. Sie versuchen, einander mehr oder weniger subtil zu dominieren. Beide haben ihre Beziehungserfahrungen, die sie dazu veranlassen, sich hinter ihren inneren Mauern zu verstecken. So versuchen sie, ihr verletzbares Ich nicht zu zeigen. Dann eskaliert die Situation, ein Stück der inneren Mauer fällt. Das ist der Auftakt zum gegenseitigen Erkennen. Was sie nun voneinander wahrnehmen gefällt ihnen so sehr, dass der Wunsch entsteht, zusammenzufinden. Ist ein Happy End möglich?

Die Charaktere des Stückes werden von Isabella Heymann und Egid Minác, beide Tänzer am Landestheater Detmold, verkörpert. Petra Vetter verwebt ihre Choreographien mit lyrischen Texten der Autorin Bettina Lohaus, die eigens für dieses Stück geschrieben wurden. Sie schaffen eine atmosphärische Dichte, ohne eine Parallelgeschichte zum Tanz zu erzählen oder diesen zu illustrieren. Der Jazzpianist Martin Kübert hat für dieses Tanztheater Musik von Abdullah Ibrahim /Dollar Brand bearbeitet, die er live spielen wird.

Tanz: Isabella Heymann, Egid Minác
Klavier: Martin Kübert
Rezitation: Petra Vetter
Lyrik: Bettina Lohaus
Licht: Peter Sandvoß
Skript und Choreographie: Petra Vetter

Die Produktion des Projekts ist eine Kooperation der MediaDesignProduktion Gugel+Steiner, Bergisch Gladbach und der Rheinischen Musikschule Köln.

Performance

30.Mai 2015, 19.00 Uhr
31.Mai 2015, 19.00 Uhr

Bühne des Gymnasiums Kreuzgasse, Vogelsangerstr. 1, 50672 Köln
Kartenreservierung: 0221-951 46 90
Abendkasse ab 18:00 Uhr

Sehen Sie hier eine Szenenauswahl



Kritik von Ellen Brombach zum Tanztheater „A Happy Ending?“ von Petra Vetter

„Da bist du wieder
siehst mich aus meinen Augen an
hängst dich wie Blei in die Winkel meines Mundes
gräbst Furchen der Schwermut in meine Stirn…“

mit diesen Worten beginnt das Stück „A Happy Ending?“ der Choreografin Petra Vetter. Mit beeindruckender Präsenz rezitiert sie Texte der Autorin Bettina Lohaus und führt den Zuschauer ohne Umschweife in das Geschehen. Schnell wird dem Zuschauer klar: Hier geht es ans Eingemachte. Noch während der Zuschauer das verarbeitet, beginnt ein Kokon, der auf der Bühne steht, sich langsam zu bewegen. Gefangen in ihren eigenen, selbst errichteten Mauern, windet sich eine Tänzerin hin und her, bevor ihr geholfen wird, sich zu befreien und Mauern einzureißen. In diesem Stück geht es um Mauern, den eigenen Mauern und Mauern anderer – um die Annäherung aneinander, um die Abgrenzung, um Liebe, Kampf und Macht – eben um das große Schlachtfeld „Beziehung“.
Petra Vetter verwebt ihre Choreografie mit lyrischen Texten, die eigens für dieses Stück von der Autorin Bettina Lohaus geschrieben wurden. Sie schafft eine atmosphärische Dichte, ohne eine Parallelgeschichte zum Tanz zu erzählen oder diesen zu illustrieren.

Die Tänzer Isabella Heymann und Egid Minac vom Landestheater Detmold glänzen in ihren Rollen als Liebespaar, das sich zufällig in Leichtigkeit und Verspieltheit findet und trennt, nochmals aufeinander trifft, sich ausprobiert, provoziert, bekämpft und sich doch immer wieder findet – in einem Wechselbad der Gefühle – dem ewigen Hin und Her, das jedem nur allzu bekannt ist. Sehr eindrucksvoll: der Tangopart! Hier liegen sie sich innig beim Paartanz in den Armen, um dann im nächsten Augenblick vermeintlich gegeneinander zu kämpfen. Beide stecken ihr Territorium ab, versuchen zu dominieren, den anderen zu manipulieren, bis die Situation eskaliert. Beide verteidigen ihre vermeintliche Selbstbestimmung, bis schließlich einer von beiden die schützende „Maskierung“ aufgibt, sodass sich am Ende beide völlig „schutzlos „ gegenüberstehen.

Der Zuschauer durchwandert das gesamte Beziehungsgeflecht vom Kennenlernen bis zum vermeintlichen Happy End – er ist Voyeur – ohne Langeweile. Er begegnet Glück, Freude, Hass, Aggression, Gleichgültigkeit, alles was eine heutige Beziehung ausmacht. Der Jazzpianist Martin Kübert begleitet das Stück, in dem er Themen der Musik von Abdullah Ibrahim / Dollar Brand verarbeitet.

Das Stück „A Happy Ending?“ der Choreografin Petra Vetter präsentiert sich als durchdachte und gelungene Arbeit. Schade nur, dass der Aufführungsort diesem guten Tanztheaterstück nicht gerecht werden konnte. Das zeigt noch einmal, wie dringend in Köln geeignete Orte für Tanz benötigt werden.

11
Sep

„Der Prozeß“ – Tanztheater nach Franz Kafka

Filmaufnahme: Yasser Berenjkoub; Trailer Cut: Frederick Himperich


Kafkas skurrile, groteske Erzählwelt und das Thema Liebe gehen eine unerwartete Synthese ein.

Kafkas Roman kann auf vielfältige Weise gedeutet werden. In meiner Interpretation des Stückes habe ich als Ausgangspunkt eine psychologische Auslegung gewählt.

In ihr steht Kafkas Instrumentalisierung der Liebe im Mittelpunkt. Einerseits seine Welt, in der Liebe nicht zu existieren scheint. Andererseits meine Bearbeitung, in der Gefühle trotzt ihrer Leidenschaft die gleiche Instrumentalisierung erfahren. Meine Erzählung verankert sich in Kafkas Werk, indem ich seinen Prozessverlauf mit meinen Inhalten fülle.

Anna verliebt sich in Alex, doch ihre Gefühle werden von Anfang an enttäuscht. Zwar umwirbt Alex sie sehr charmant und hartnäckig, doch ist sie nicht die Einzige für ihn. Anstatt sich abzuwenden, verharrt sie zwischen Hoffnung und Zweifel.
Anna wird nicht bewusst, dass ihr mangelndes Selbstwertgefühl sie davon abhält sich zu lösen. Sie bleibt in ihren Emotionen gefangen und durchlebt einen ähnlichen Prozess wie Kafkas Protagonist. Sie wird verhaftet, zu einer Gerichtsverhandlung geladen, von ihrer Tante zu einem Anwalt gebracht und erfährt geistlichen Beistand.

Diese Episoden symbolisieren ihr Unterbewusstsein, das ihr suggeriert, Alex nicht zu genügen.
Wie Kafkas Protagonist versteht auch sie die ihr dargebotenen Hilfen nicht, so dass sie am Beziehungsende zerbricht. Sie lässt sich deshalb auf ähnlich tragische Weise wie Kafkas Figur in einen sinnlosen Tod treiben.

Das Stück besteht aus zwei Handlungsebenen. Kurze, essentielle Auszüge des Kafka-Textes, aus dem Off gesprochen, bilden einen Rahmen. Aus ihm entwickelt sich meine choreografisch dargestellte Erzählung. Der Tanz verkörpert die emotionale Ebene und bildet einen dramaturgischen Kontrast zu Kafkas distanzierter Darstellungsweise.

Skript, Choreographie: Petra Vetter
Tänzer: Egid Minác, Lukas Ristow, Alexandra Silvey, Alyssa Vetter
(Studenten der Musikhochschule Mannheim, Abteilung Tanz)