„Der Prozess“ – Tanztheater nach Franz Kafka

Tanztheater / Performance / Kafka / video / choreographie / Roman / Filmaufnahme / skurille / groteske Erzählwelt
Filmaufnahme: Yasser Berenjkoub; Trailer Cut: Frederick Himperich

Kafkas skurrile, groteske Erzählwelt und das Thema Liebe gehen eine unerwartete Synthese ein.

Kafkas Roman kann auf vielfältige Weise gedeutet werden. In meiner Interpretation des Stückes habe ich als Ausgangspunkt eine psychologische Auslegung gewählt.

In ihr steht Kafkas Instrumentalisierung der Liebe im Mittelpunkt. Einerseits seine Welt, in der Liebe nicht zu existieren scheint. Andererseits meine Bearbeitung, in der Gefühle trotzt ihrer Leidenschaft die gleiche Instrumentalisierung erfahren. Meine Erzählung verankert sich in Kafkas Werk, indem ich seinen Prozessverlauf mit meinen Inhalten fülle.

Anna verliebt sich in Alex, doch ihre Gefühle werden von Anfang an enttäuscht. Zwar umwirbt Alex sie sehr charmant und hartnäckig, doch ist sie nicht die Einzige für ihn. Anstatt sich abzuwenden, verharrt sie zwischen Hoffnung und Zweifel.
Anna wird nicht bewusst, dass ihr mangelndes Selbstwertgefühl sie davon abhält sich zu lösen. Sie bleibt in ihren Emotionen gefangen und durchlebt einen ähnlichen Prozess wie Kafkas Protagonist. Sie wird verhaftet, zu einer Gerichtsverhandlung geladen, von ihrer Tante zu einem Anwalt gebracht und erfährt geistlichen Beistand.

Diese Episoden symbolisieren ihr Unterbewusstsein, das ihr suggeriert, Alex nicht zu genügen.
Wie Kafkas Protagonist versteht auch sie die ihr dargebotenen Hilfen nicht, so dass sie am Beziehungsende zerbricht. Sie lässt sich deshalb auf ähnlich tragische Weise wie Kafkas Figur in einen sinnlosen Tod treiben.

Das Stück besteht aus zwei Handlungsebenen. Kurze, essentielle Auszüge des Kafka-Textes, aus dem Off gesprochen, bilden einen Rahmen. Aus ihm entwickelt sich meine choreografisch dargestellte Erzählung. Der Tanz verkörpert die emotionale Ebene und bildet einen dramaturgischen Kontrast zu Kafkas distanzierter Darstellungsweise.

Skript, Choreographie: Petra Vetter
Tänzer: Egid Minác, Lukas Ristow, Alexandra Silvey, Alyssa Vetter
(Studenten der Musikhochschule Mannheim, Abteilung Tanz)